Jana war eine der Patientinnen, die wir im April 2024 aus dem Norden des Gazastreifens in den Süden evakuierten. Sie war acht Jahre alt und sie hungerte. Ihr Zustand hätte niemals eintreten dürfen. Die Behandlung, die sie benötigte, existiert – sie existiert bloß nicht innerhalb des Gazastreifens, da Israel sie blockiert, wo es nur geht: humanitäre Helfer, Medikamente, medizinische Ausrüstung, Lebensmittel. Unter diesen Bedingungen hat ein hungerndes Kind keine Überlebenschance im Gazastreifen. Wie Fadi musste auch Jana herausgeholt werden. Also evakuierten wir sie in den Süden. Sie sollte den Gazastreifen innerhalb weniger Tage vollständig verlassen, um im Ausland die Langzeitpflege zu erhalten, die sie zum Überleben brauchte. Genau dort scheiterte es.
Israel verweigerte Janas Mutter die Ausreisegenehmigung. Ein achtjähriges Kind konnte nicht alleine reisen, weshalb die Evakuierung ins Ausland abgesagt wurde. Die UN bemühte sich weiter um eine Reiseerlaubnis für ihre Mutter. Sie kam nie. In der Zwischenzeit wurde Janas Evakuierung immer und immer wieder verzögert. Während des Waffenstillstands kehrte ihre Familie in den Norden zurück. Dann schloss sich die Blockade erneut, die Lebensmittel gingen aus und der Hunger kehrte zurück. Ihre zweijährige Schwester Jouri verhungerte.
Sie starb im August 2025 an Unterernährung. Jana starb wenige Wochen später, am 17. September 2025, in einem Krankenhaus in Gaza-Stadt. Sie wurde neun Jahre alt. Selbst mit der Unterstützung von UNICEF und der WHO konnte ihre Ausreise nicht gesichert werden. Israel blockierte sie bei jedem Schritt, bis das erreicht war, was beabsichtigt war. Jana ist tot. Sie ist eines von vielen Anzeichen für das, was ich nur als einen Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung bezeichnen kann.